Erfolgreiche Anwender
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Unverwüstlich auf schwierigem Terrain

Henning Stapelbroek leitet seit 2,5 Jahren einen Großbetrieb in Sachsen-Anhalt. Auf dem anspruchsvollen Standort hat er den gesamten Ackerbau auf Direktsaat umgestellt. Seine wichtigste Maschine bei dieser Aufgabe: eine Novag 650 T-Force-Plus.

Offen sein für Herausforderungen und ungewöhnliche Konzepte – das zeichnet Henning Stapelbroek aus. Beide Eigenschaften kann er bei seinem Job gut gebrauchen. Seit 2020 leitet der 29-Jährige den Ackerbau der Agrargenossenschaft in Tangermünde/Buch in Sachsen-Anhalt mit 1.300 Hektar Fläche.

Doch anders als in der nahegelegenen Magdeburger Börde sind die Standortbedingungen rund um das elbnahe Tangermünde alles andere als optimal für einen erfolgreichen Pflanzenbau. Wasser ist ein knappes Gut in der Region, im Schnitt gibt es nur knapp 500 Millimeter Niederschlag im Jahr. Dazu kommen extrem heterogene Böden, von leichten Sandböden bis zu schwerem Lehm.

Direktsaat als einzige Alternative

„Wenn man hier wirtschaftlich Ackerbau betreiben möchte, geht das eigentlich nur mit Direktsaat“, sagt Stapelbroek. Sein Ansatz: Die Anbaukosten bei Getreide dürfen nicht höher liegen als die Erlöse, die er mit Hektarerträgen von zwei Tonnen erzielt. Denn das ist der Mindestertrag, den er auch in sehr trockenen Jahren noch erreicht.

Deshalb war mit seinem Dienstantritt klar, dass die gesamte Ackerfläche nur noch per Direktsaat bewirtschaftet werden sollte. Dafür bringt der Landwirt die nötige Erfahrung mit. Denn schon auf seinem Ausbildungsbetrieb und seiner vorherigen Anstellung wurde viel mit Direktsaatverfahren gearbeitet.

Stapelbroeks wichtigste Maschine ist eine Novag 650 T-Force-Plus mit sechs Meter Arbeitsbreite und 24 Säscharen bei 25 Zentimetern Reihenabstand. Der Landwirt schätzt vor allem die Robustheit der Maschine, die auf den schweren Böden direkt an der Elbe gebraucht wird, um die Saattiefe sicher einhalten zu können.

„Mit Einführung der Direktsaat haben wir den Pflanzenbau komplett umgekrempelt“, erklärt Stapelbroek. So wurde zum Beispiel die Fruchtfolge deutlich erweitert. Neben verschiedenen Getreidearten baut er heute Körnermais, Raps, Sonnenblumen, Ackerbohnen und Erbsen an. Zwischenfrüchte sind bei fast allen Kulturen die Regel und auch die Düngung wurde angepasst. Eine Pflugfurche gibt es nicht mehr.

Eine Maschine für alle Kulturen

Die Novag wird für die Direktsaat aller Kulturen eingesetzt, egal ob Winterraps, Mais oder Ackerbohne. Dabei hat ihn die Maschine bisher auf vielen Ebenen überzeugt. „Das beginnt schon damit, dass es selbst bei größeren Strohmengen nicht zum Hairpinning kommt“, sagt Stapelbroek. „Die Saatkörner haben immer guten Bodenschluss und bleiben nicht im groben organischen Material hängen.“

Besonders wichtig ist für ihn, dass die Maschine mit den extrem unterschiedlichen, zum Teil sehr harten Böden gut zurechtkommt. Hier bewährt sich nach seiner Erfahrung die elektronische Schardruck-Anpassung IntelliForcePlus, die den Druck je nach Bodenwiderstand laufend optimiert.

Stapelbroek kann diese Funktion über das Novag-Display in der Traktorkabine verfolgen. „Das ist schon Wahnsinn, wie der Druck auf unseren Standorten hin und her springt“, berichtet er. „Das reicht selbst auf kleinen Flächen oft von 80 bar bis zum Maximaldruck von 200 bar. Ohne automatische Schardruck-Anpassung wäre die Saattiefe garantiert nicht so einheitlich.“

Maissaat ist Königsdisziplin

Besonders bei der Maisbestellung – laut Stapelbroek die Königsdisziplin der Direktsaat – spielt die Maschine ihre Vorteile aus. Denn Mais braucht gerade in der Startphase einen gut gelockerten, warmen Boden. Und dafür schafft die Novag-Technik optimale Voraussetzungen, egal, ob auf feuchten oder trockenen Böden.

Dabei nutzte er anfangs noch einen Einzelkornleger für die Maissaat, bis er im Vorjahr eine Art Schlüsselerlebnis hatte. Bei einsetzendem Regen musste er auf schwerem Boden die Saat mit dem Einzelkornleger abbrechen. Den Rest der Fläche säte er mit der Novag. „Obwohl wir die Körner nicht mal vereinzelt haben, waren die Pflanzen auf diesen Flächen später viel vitaler und der Mais stand deutlich besser als auf den konventionell bestellten Flächen.“

Stapelbroek führt das darauf zurück, dass die Scheiben des Einzelkornablegers den Bodenbereich rund um das Saatkorn stark verdichten, vor allem bei feuchten, schweren Böden. Das verzögert die Erwärmung und erschwert die Durchwurzelung. Bei Ablage mit dem T-Slot-Schar der Novag entstehen dagegen so gut wie keine Verdichtungen in diesem sensiblen Bereich.

Vereinzeln mit dem Novag-Mais-Kit

Aufgrund der guten Erfahrungen hat er im laufenden Jahr die gesamten
80 Hektar Körnermais auf schweren Böden mit der Novag bestellt. Dafür ergänzte er die Maschine um das Novag-Mais-Kit, mit dem die Körner vor Ablage vereinzelt werden können. Auch wenn die Ablagequalität nicht ganz das Niveau eines Einzelkornlegers erreicht, ist Henning Stapelbroek mit dem Ergebnis zufrieden.

In der aktuellen Saison hatte er allerdings mit ganz anderen Bedingungen zu kämpfen. Die Böden waren zum Saattermin sehr trocken und hart. „Mit dem Einzelkornleger wäre ich gar nicht in den Boden reingekommen“, erzählt Stapelbroek. Auch die Novag sei bei der Ablagetiefe von fünf Zentimetern an ihre Grenzen gestoßen. „Aber wir haben eine saubere Ablage hinbekommen. Und wo die Novag nicht reinkommt, kommt keine Direktsaatmaschine rein“, sagt Stapelbroek.

Ein weiterer Punkt, den der Landwirt an der Novag schätzt, ist ihre Variabilität. „Die Maschine bietet einfach wahnsinnig viele Möglichkeiten“, sagt Stapelbroek. „Wenn man die nutzen will, ist das genial.“ Und er will diese Möglichkeiten nutzen. Je nach Kultur experimentiert er immer wieder mit verschiedenen Untersaaten oder Zwischenfruchtmischungen. Möglich macht dies ein variables System mit austauschbaren Saatguttanks und individuell einstellbaren Säscharen, mit denen jede Kultur in der optimalen Saattiefe abgelegt werden kann.

Vier Tanks mit vier verschiedenen Komponenten

Diese vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten schöpft er besonders bei der Rapsbestellung aus. Neben den feinen Rapssamen bringt er dabei in einem Arbeitsgang eine Zwischenfruchtmischung als Begleitsaat aus, eine Unterfußdüngung und Schneckenkorn, wahlweise oberflächlich oder im Boden. „Und alles kommt genau dahin, wo es hingehört“, freut sich Stapelbroek. „Das soll uns erstmal einer nachmachen, vier Tanks mit vier verschiedenen Komponenten gleichzeitig zu nutzen.“

Auch im Wintergetreide hat er mit seinem Direktsaatkonzept und der Novag schon erste Erfolge erzielt. Nach zwei Anbaujahren beobachtet er schon einen deutlich rückläufigen Besatz mit Trespe, dem Problemunkraut des Betriebs in Getreide. Stapelbroek führt das auf die Direktsaat zurück. Die meisten Trespensamen in den oberen Bodenschichten seien inzwischen aufgelaufen. Da die Novag den Boden nur schlitzt und bei der Saat kaum bewegt, gelangen keine neuen Samen mehr nach oben und der Trespendruck geht immer weiter zurück.

Keine Sandstürme mehr im Ort

Einen weiteren Effekt der Direktsaat bemerkten sogar die Nachbarn im Ort. Sie wunderten sich im ersten Anbaujahr mit der Novag, warum im Sommer keine Sandstürme mehr durchs Dorf zogen. Solche Sandstürme waren bis dahin üblich, weil die großen, konventionell bestellten Flächen lange Zeit offen lagen und entsprechend anfällig für Winderosion waren.

Henning Stapelbroek überrascht das nicht: „Durch die Direktsaat ist der Boden viel besser geschützt, entweder durch eine Zwischenfrucht oder eine Mulchauflage.“ Dazu kommen die pflanzenbaulichen Vorteile des Verfahrens. „Mit der Direktsaat haben wir definitiv mehr Wasser im Boden. Die Mulchauflage senkt die Verdunstung einfach massiv“, sagt Stapelbroek. Deshalb halten die Bestände nach seiner Beobachtung bei anhaltender Trockenheit einige Tage länger durch als konventionell gesäte Kulturen.

Mehr Regenwürmer, bessere Bodenstruktur

Auch bei der Bodenstruktur zeigen sich bereits nach zwei Anbaujahren erste Veränderungen. Stapelbroek: „Wir haben auf unseren Flächen viel mehr Regenwürmer als vor Einführung der Direktsaat.“ Außerdem beobachtet er, dass der Boden durch die Ausscheidungen der Mikroorganismen in der oberen Krume eine immer bessere Gare entwickelt. „Man kommt viel früher auf die Flächen, der Boden trägt besser und klebt nicht“, sagt Stapelbroek.

Die vielen positiven Entwicklungen haben sich inzwischen auch bei benachbarten Betrieben herumgesprochen, das Interesse an der Direktsaat ist groß. Stapelbroek erhält immer mehr Anfragen für die Novag. Allein in diesem Jahr hat er schon über 200 Hektar im Lohn bestellt. Damit sieht er sein Konzept bestätigt: „Meiner Meinung nach kommt man in trockenen Regionen wie bei uns nicht an der Direktsaat vorbei. Es ist hier der einzig sinnvolle, nachhaltige Weg.“

Kostendeckend, auch in trockenen Jahren

Dabei schließt er ausdrücklich die Wirtschaftlichkeit der Novag mit ein. Bei Fahrgeschwindigkeiten von acht bis zehn Kilometern pro Stunde kommt er auf eine Flächenleistung von bis zu vier Hektar pro Stunde. Zudem entfallen die Kosten und der Arbeitsaufwand für das Pflügen und Grubbern zur Saatbettbereitung. „Mit dem Pflug wäre es gar nicht möglich, in sehr trockenen Jahren kostendeckend zu arbeiten“, meint Stapelbroek.

Bisher erreicht er mit der Direktsaat bereits die gleichen Erträge wie bei der früheren konventionellen Bestellung – allerdings mit deutlich geringerem Aufwand. Er geht aber davon aus, dass sich mit steigenden Humusgehalten und einer zunehmend besseren Bodenfruchtbarkeit noch höhere Erträge erzielen lassen.

Dafür brütet der experimentierfreudige Landwirt bereits über weitere Ideen, wie sich Fruchtfolge, Zwischenfrüchte, Untersaaten und Unterfußdüngung noch besser kombinieren lassen. „Mit der Novag habe ich fürs Experimentieren ja genau die richtige Maschine“, sagt Stapelbroek und lacht.

Schalter im Kopf umlegen

2026 die eigene Milch mit dem Zertifikat CO2-frei auf dem Preisniveau von Hafer- oder Sojamilch zu vermarkten, das ist eine Idee von Landwirt Lutz Decker aus Bierbergen, Niedersachsen. Auf dem Weg dahin hat er seine Leidenschaft für die konservierende Landwirtschaft entdeckt und war 2019 der erste Novag-Kunde in Deutschland.

„Die Novag 640 habe ich damals nicht gekauft, um sieben Jahre später CO2-neutrale Milch anbieten zu können. Ich hatte nicht DEN großen Plan. Aber letztlich greift eins ins andere“, betont der studierte Landwirt (44 Jahre). Am Rande der Hildesheimer Börde mit ihren sehr fruchtbaren Böden (80-100 Bodenpunkte) bewirtschaftet Lutz Decker zusammen mit seiner Frau Anke und 19 Mitarbeitenden einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb mit 230 ha Ackerbau und Dauergrünland sowie 500 Rindern, davon 270 Milchkühe. Zusätzlich betreibt er mit seinem Schwager Jan van Leeuwen eine 3 MW Biogasanlage, für die er rund 60 Landwirte in Sachen Saat, Gärrestrückführung und Ernte im Lohn betreut. Lutz Decker hat Wirtschaft- und Sozialwissenschaften des Landbaus in Kiel studiert, stieg 2010 ist den elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb ein und übernahm ihn 2018.

„Nach 13 Jahren Biogas mit intensiver Bodenbearbeitung und Gülledüngung sowie abgefahrenen Zwischenfrüchten für die Tierfütterung beobachteten wir fortschreitende Bodenverdichtungen und zunehmend Mangelerscheinungen in den Kulturen – v.a. im Silomais und das trotz unserer guten Böden und ausreichend Nährstoffen“, erklärt er.

Düngung nach Kinsey

Auf der Suche nach einer Lösung kam er erstmals mit der Düngung nach Kinsey in Kontakt. So kam der „Stein“ ins Rollen und bereits 2019 hatte Lutz Decker all seine Flächen, inklusive Grünland, nach Kinsey beprobt und düngt sie seitdem entsprechend. „Zwangläufig stieß ich auch auf den legendären Langzeitversuch „Oberacker“ in der Schweiz“, rekapituliert er. Seit 1994 werden dort die Anbausysteme Direktsaat und Pflug sowie das Standarddünge-System und das nach Kinsey miteinander verglichen. „Die Kinsey-Düngung in Kombination mit der Direktsaat schneidet ertraglich und qualitativ am besten ab.

Die Aussage von Kinsey, es sei völlig egal, ob der Boden bearbeitet würde oder nicht, bestärkte mich in meiner Idee, die Bearbeitungsschritte und Mechanisierungsintensität zu reduzieren. Das führte letztlich dazu, dass ich 2019 in einen Prototyp der heutigen Novag TF 640 investierte und noch zur Herbstaussaat desselben Jahres damit begann, unseren kompletten Betrieb auf das Anbausystem der konservierenden Landwirtschaft mit Direktsaat umzustellen“, erklärt er.

Bis dahin hatten sein Vater und er die Flächen im Standardverfahren mit vorheriger Pflugfurche oder im Mulchsaatverfahren bestellt. Mittlerweile ist es seine vierte Herbstbestellung im Direktsaatverfahren.

Umdenken gefordert

Für das neue Anbauverfahren habe er aber vor allem einen Schalter im Kopf umlegen müssen, denn auch er habe im Studium die klassische Lehre zu Düngung, Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung genossen.

Per FAO-Definition basiert die konservierende Landwirtschaft auf drei Hauptprinzipien: eine minimale mechanische Bearbeitung des Bodens im Rahmen festgelegter Grenzwerte, eine organische Mulchbedeckung von mindestens 30 % unmittelbar nach der direkten Aussaat sowie eine Vielfalt an Kulturpflanzen, die mindestens drei Arten in der Fruchtfolge umfasst.
„Bei uns stehen Zuckerrüben, Mais, Getreide-GPS und zu einem kleinen Anteil Sojabohnen in der Fruchtfolge. Der Silomais geht fast komplett in den Rindermagen und das Getreide-GPS, häufig Triticale, in die Biogasanlage. Zwischen den Hauptkulturen etablieren wir, je nachdem ob eine Winterung oder Sommerung folgt, eine oder sogar zwei Zwischenfrüchte und säen Mais und Zuckerrüben direkt in die stehende Biomasse“, erklärt der Landwirt.

Sein Ziel ist eine ausreichend dicke Mulchschicht, die den bestellten Acker vor Austrocknung, Verunkrautung und Erosion schützt, ihn kühlt und den Regenwurm füttert. Als Zwischenfrüchte setzt er sowohl Leguminosen-haltige als auch -freie Mischungen oder auch Roggen ein. „Allerdings entschieden wir in diesem Jahr wegen Futterknappheit, die Zwischenfrucht als Viehfutter zu ernten“, räumt er ein.

Hohen Widerständen trotzen

Die Direktsaat sei kein ansehnlicher Ackerbau und werde auch als „ugly farming“ bezeichnet. „Die abgestorbenen Zwischenfrüchte im Frühjahr können so dick sein, dass sie auf unseren schweren Böden die Jugendentwicklung des Maises deutlich verzögern. Die Pflanze holt das bis August zwar in der Regel wieder auf, aber das muss man als Landwirt auch aushalten können“, gibt Lutz Decker zu bedenken, will aber eigentlich auf seine Technik hinaus: „Für die Direktsaat braucht man ein Sägerät, das hindurch einer beliebig starken Mulchschicht die Saat der Folgefrucht sauber im Boden ablegt, selbst wenn dieser schwer ist wie bei uns. Das ist eine der Stärken der Novag. Mit einem Schardruck von bis zu 500 kg überwindet sie sogar Bodenverdichtungen in der Fahrspur und ihre Säscheiben schneiden tiefer als bis zum Saathorizont, sodass ich mir über „Hair-Pinning“ keine Gedanken machen muss.“

Der Leistungsbedarf sei vom Bodenzustand abhängig und davon, mit welchen Arbeitswerkzeugen man arbeite. Er selbst habe bei einer 6 m Sähmaschine einen 300 PS Traktor davor, es sei aber erkennbar, dass die Arbeit mit jedem Jahr leichter werde, weil der Boden gesunde und immer tragfähiger werde. „Als tierhaltender Betrieb mit schweren Böden sind unsere größte Herausforderung im Ackerbau die hohen Frachtmengen und -gewichte. Um in den ersten Jahren der Umstellung die hohen Widerstände im Boden zu überwinden, brauchen wir die Technik von Novag“, ist Landwirt Decker überzeugt. Zusätzlich manage er die Bodenbelastung über ein Controlled Traffic Farming-System (CTF) und Reifendruck-Regeltechnik.

Einfache und sichere Bedienung

Er selbst sitzt selten auf den Maschinen und legt für seine Fahrer Wert auf eine einfache und sichere Handhabung und Bedienung der Technik. Das sei ein weiterer Punkt bei der Wahl der Novag gewesen. Er meint ihr IntelliForce-System zur intelligenten, automatischen Schardruckregelung und Tiefenführung. „Mit der Novag als erste importierte Maschine haben wir damals so etwas wie eine Felderprobung unternommen,“ schmunzelt er und lobt, er werde nach wie vor hervorragend vom Novag-Team unterstützt. Ersatzteile bekommt er derzeit noch aus dem Werk in Frankreich, die seien aber auch innerhalb von zwei Tagen bei ihm und das würde sich mit der neuen Novag-Vertriebs-Niederlassung in Hannover weiter verbessern. An seinem Prototyp der Novag TF 640 mit 25 cm Reihenabstand habe er im Laufe der Zeit Details angepasst: „Für die Zuckerrüben-Aussaat beispielsweise haben wir die ursprünglich geriffelten Saatgutschläuche durch glatte und dünnere ersetzt und dadurch den Saatguttransport aus der Vereinzelung bis zu den Scharen verbessert. Die Vereinzelungsleistung der Novag ist für uns ausreichend. Die T-Form der Sähschaare in Kombination mit dem tiefen Scheibenschnitt sind mir für den Planting-Green-Einsatz wichtiger als eine perfekte Vereinzelung.“

Sechs Meter Arbeitsbreite seien für den eigenen Ackerbau überdimensioniert, weshalb er seine Novag zusätzlich überbetrieblich einsetze und auf eine jährliche Auslastung von knapp 700 ha komme. Durchschnittlich drei Hektar in der Stunde schaffe sein Gespann. „Zwei unserer Direktsaat-Kunden verfolgen wie wir die konservierende Landwirtschaft konsequent weiter“, berichtet er, sieht sich aber nicht als Missionar dieses Anbaukonzeptes. „Es verlangt eine komplette Umstellung und Direktsaat ist viel mehr, als Saatgut mechanisch in unbearbeiteten Boden zu bringen. Es geht darum, eine Nährstoffdynamik im Boden zu entfalten sowie die Bodenstruktur zu verbessern und zu stabilisieren“, erklärt Landwirt Decker.

Erfahrungen sammeln

Dass die Rechnung aufgehe, sehe er an der feinkrümeligen „Cottage-Cheese-Struktur“, die sich auf vielen Flächen bereits zu entwickeln beginnt. Allerdings habe ihn die Umstellung auch Lehrgeld gekostet. So empfiehlt er heute, die Flächen düngetechnisch umzustellen, bevor man mit der Direktsaat beginnt: „Im Herbst 2019 hatte ich es auf einigen Flächen andersherum versucht. Diese Ansaaten taten sich deutlich schwerer. Ihnen fehlte im kühlen, feuchten und festen Boden die Mineralisierung, die die Düngung nach Kinsey bereitstellt.“ Nicht alle Effekte könne er sich vollständig erklären, beobachte aber mittlerweile einen klaren Unterschied zwischen Herbst- und Frühjahrssaaten, auf den er auch eine Antwort zu haben glaubt.

Während die Herbstbestellung bisher immer unproblematisch gewesen sei, habe er sich bei der Frühjahrsbestellung schon zwei Mal ein blaues Auge geholt – im ersten (2020) und in diesem Jahr wieder. „Beide Male waren die Aussaatbedingungen ideal, aber danach fiel für etwa vier Wochen kein Niederschlag“, erinnert er sich. Zur Herbstbestellung von „trocken nach feucht“ funktioniere die Direktsaat ohne Probleme erklärt er und meint damit den Bodenzustand zur und nach der Aussaat. Umgekehrt, also unter feuchten Aussaatbedingungen, könne es auf einigen Böden bei anschließend langer Trockenheit dazu kommen, dass sie im Bereich des Saatschlitzes aufreißen. „Tonhaltige Böden schrumpfen, wenn sie Wasser verlieren. In diesem Jahr rissen die Saatschlitze der Novag wegen der Frühjahrstrockenheit bis zu 1 cm breit auf. Das kann zu Keimverzögerungen führen oder schlimmer, wie in diesem Jahr in unseren Zuckerrüben, das Saatkorn keimt zwar, aber Schnecken oder andere Schädlinge nutzen den geöffneten Saatschlitz als Food-Highway“, erklärt er.

Die Idee der Dehnungsfugen

Die Novag sei nicht das Problem. Sie hinterlasse im Vergleich mit Direktsaatgeräten anderer Hersteller einen schmalen Schlitz. „Wir wollen sie jetzt mit Thompson-Wheels nachrüsten. Das sind sternförmige, V-förmig arbeitende Scheiben, die wir statt der Andruckrollen montieren. Sie sollen den Boden 5 cm links und rechts des Saatschlitzes auf 3 cm Tiefe einschneiden, um den Bereich dazwischen zu entlasten. Wir erhoffen uns einen Effekt wie den einer Dehnungsfuge beim Fliesenlegen“, verrät Lutz Decker.

Für dieses Jahr rechnet er in den Rüben mit einem Ertragsausfall von rund 20 % und überlegt parallel zur nächsten Aussaat vorsorglich Schneckenkorn auszubringen. Für die gleichzeitige Ausbringung verschiedener Saatgutarten, Dünger oder eben Schneckenkorn verfüge seine Novag über vier Saatguttanks. Fehlstellen und Schneckenfraß seien allerdings nicht das einzige Problem in seinen Rüben. Infolge habe die Beschattung gefehlt und er stehe aktuell vor einer ausgewachsenen Spätverunkrautung, für die er noch keine echte Lösung habe.

Dennoch stellt er sein Anbauverfahren nicht in Frage und ist absolut begeistert: „Meine Böden entwickeln sich durchweg positiv. In den letzten vier Jahren habe ich so viel Zeit auf meinem Acker verbracht wie nie zuvor. Es ist hoch spannend zu beobachten, wie Boden und Pflanze reagieren, wenn man an der ein oder anderen Stellschraube dreht.“

Reduzierter Pflanzenschutzmitteleinsatz

Dann komme man als Landwirt irgendwann an den Punkt, dass man sich traue, Maßnahmen wegzulassen. „Beim Getreide habe ich schnell gemerkt, dass ich mit der Direktsaat das Herbizid weglassen kann und infolge auch die Fungizide und Wachstumsregler. Dadurch, dass wir keinen Boden bewegen, regen wir vorhandenes Samenpotenzial nicht zum Keimen an. Nach Zuckerrüben oder Mais gelingt uns der Getreideanbau schon das zweite Jahr in Folge ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und das weitestgehend ohne Mindererträge. Dazu säen wir noch am Tag der Vorfruchternte ein Getreide-Wicke-Gemenge“, erklärt Lutz Decker und räumt ein, die Wicke könne bei zu starker Entwicklung ertragsmindernd wirken. „Dafür sparen wir aber wie gesagt beim Pflanzenschutzmitteleinsatz. Wir wollen den Boden nicht nur mechanisch, sondern auch chemisch so wenig wie möglich stören“, argumentiert er. Gänzlich auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten ist für ihn aber definitiv keine Option. Für den zukünftigen Einsatz von Glyphosat erhofft er sich eine Zulassung für die Direktsaat, wie sie in Frankreich bereits gilt.

Next Step: Reduzierte Düngung

Angetreten sei er die Umstellung zur Direktsaat mit der Idee, das Gleiche oder mehr zu ernten. In den Winterungen erreiche er das auch. Bei Frühjahrsaussaaten mit anschließend langer Trockenphase könne es auf seinen Böden allerdings zu empfindlichen Mindererträgen von bis zu 30 Prozent kommen. „Bisher haben wir aber aufgrund eingesparter Kosten für Bodenbearbeitung, Kraftstoff, Arbeitslohn und Pflanzenschutz betriebswirtschaftlich jedes Jahr mindestens eine schwarze Null geschrieben“, fasst Lutz Decker zusammen.

Als nächstes will er sich auch an die Reduzierung der Düngeintensität heranwagen. So wirke sich die Düngung nach Kinsey auch auf die Gesundheit von Wiederkäuern positiv aus– vorausgesetzt das Nährstoffverhältnis in Boden, Futter und organischem Düngemittel sei ausgeglichen. „Ich strebe für meinen landwirtschaftlichen Betrieb einen möglichst geschlossenen Nährstoffkreislauf an. So plane ich, mit Körnermais und Sojabohne unser Viehfutter demnächst komplett selbst zu produzieren, beide Früchte mit der Abwärme unserer Biogasanlage zu trocknen und die Sojabohnen zu toasten. In Kombination mit unserer defensiven Flächenbewirtschaftung im Direktsaatverfahren können wir die notwendigen CO2-Einsparungen für die angestrebte Zertifizierung unserer Kuhmilch erreichen“, erklärt der Milchviehhalter seine Vision.